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Musik zum Anfassen – Vertrautes im Exil

Bei dem Projekt "Musik zum Anfassen", Untertitel "Vertrautes im Exil", arbeitete meine Klasse, die 4a der Evang. WMS Karlsplatz, mit der Musikhochschule zusammen. Es ging darum, ob Musik fern der Heimat ein Anker sein kann. Im Zuge des wochenlangen Projektes setzten wir uns mit "Vertreibung unter den Nationalsozialisten" und "Flucht heute" auseinander.

Idee / Ziele

Wir musizierten mit den Studierenden der Musikhochschule, erfanden einen Rap, besichtigten die Stolpersteine im 4. Bezirk, musizierten mit der afghanischen Band Musafer, deren tolle Instrumente die Kinder ausprobieren durften, besuchten das jüdische Museum und die Ausstellung über den Komponisten Richard Stöhr. Höhepunkte waren der Besuch der Zeitzeugin Hedi Ballentyne, der Tochter Stöhrs und ein Abschlussabend, bei dem wir die Ergebnisse den Eltern präsentierten. Die Kinder befassten sich mit Vertreibung, Verfolgung und Flucht, mit Zeitgeschichte und aktuellem Geschehen, und sie lernten wie nebenbei noch klassische Musik und tolle Instrumente kennen. In Deutsch, BE und Geschichte wurde das Thema auch noch fächerübergreifend bearbeitet. Die Zusammenarbeit mit den jungen Leuten der Musikhochschule und deren Engagement war zudem sehr bereichernd. Ergebnisse finden sich auch im Internet unter "Musik zum Anfassen" oder "Ich höre Musik und fühl mich frei".

Umsetzung / Ablauf

Zuerst setzte ich mich mit dem Thema auseinander, das mich sofort ansprach, da ich als Deutsch-Lehrerin mit jeder 4. Klasse Texte zum Thema Flucht, Vertreibung unter den Nationalsozialisten usw. bearbeite. Zahlreiche gute Jugendbücher finden sich auch in unserer Bibliothek, und wir lasen zunächst "Das Tagebuch der Anne Frank" und "Der Junge im gestreiften Pyjama". Wir sahen auch einen Ausschnitt aus "Das weiße Band", damit die Hintergründe, die zu einer solchen Entwicklung führen können, nämlich absoluter Gehorsam schon in der Erziehung, verständlicher werden. Parallel dazu fanden Wahlen statt, wir konnten die Bedeutung der Pressefreiheit und der Meinungsfreiheit, sowie demokratisches Verhalten besprechen.
Dann wurden die Workshops mit der Musikhochschule geplant, wobei immer ein bis zwei Studierende einen Workshop inhaltlich planten. Dabei wurde hervorragende Arbeit geleistet. Meine Aufgabe bestand darin, Termine zu koordinieren, Räume zu suchen und den Besuch der Zeitzeugin zu organisieren, die einmal Schülerin unserer Schule war und als Jüdin vertrieben und mit einem der Kindertransporte verschickt wurde. Wir bereiteten ihr einen Empfang im Schulhaus, und die Kinder konnten ihr als Zeitzeugin in der Klasse Fragen stellen. Ich half auch bei der Planung der Lehrausgänge und motivierte die Kinder immer wieder, was aber angesichts der großartigen Arbeit von Mag. Flosdorf und seinem Team nicht schwierig war. In den verschiedenen Workshops arbeiteten wir in Gruppen, auch, aber nicht nur musikalisch zum Thema.

Learnings

Die Kinder gewannen Einsichten in die Bedeutung der Musik für Flüchtlinge, lernten eine Zeitzeugin kennen, lernten Instrumente kennen und Musik aus anderen Ländern, lernten klassische Musik ruhig anzuhören. Sie setzten sich mit Vertreibung und Verfolgung auseinander und lernten natürlich auch ein großes Projekt neben Schularbeiten und Berufspraktischen Tagen erfolgreich durchzuziehen, was auch die Klassengemeinschaft enorm stärkte. Ich habe in 40 Dienstjahren immer wieder Projekte durchgeführt, aber wie immer bei Projekten lernte ich dazu:
Die eigene Kreativität steigt mit der Arbeit in Wechselwirkung mit den Kindern, die ganz tolle Ideen entwickelten, es war für mich der erste Kontakt mit einer familienfremden Zeitzeugin. Die Workshops waren einfache, kleine, doppelstündige Einheiten, die immer abgeschlossen waren, aber zu einem großen Ganzen zusammengefügt werden konnten.

Ergebnis / Weiterentwicklung

KollegInnen unserer Schule sind interessiert, ein ähnliches Projekt mit der Musikhochschule durchzuführen. In der Klasse wird uns das Projekt noch weiterhin beschäftigen, da wir in Deutsch und Geschichte das Thema noch weiter bearbeiten werden. Mit Hedi Ballentyne mailen wir, mit den Afghanen auch. Die Band MUSAFER wird eventuell beim Tag der Flucht im Rahmen des Kulturvereins Transdanubien spielen, da stelle ich gerade Kontakte her. Die Nachwehen des Projekts werden uns wohl noch bis zum Ende des Schuljahres begleiten.

Teilnehmer_innen

Alle SchülerInnen der Klasse, die Studierenden der Musikhochschule unter Mag. Flosdorf, einige KollegInnen, die in der Klasse unterrichten und ich als Klassenvorstand waren beteiligt. Unterstützt und befürwortet wurde das Projekt durch unseren Herrn Direktor, Mag. Gordon Emrich. Die Musiker wurden von culture connected bezahlt.
Die Eltern waren ZuhörerInnen beim Abschlussabend.

Vorstellung Projektleiter_innen

Erika Steif
Foto auf der Homepage der Evang. WMS unter Team
Fotos unter "Musik zum Anfassen" und Kinderkurier "Ich höre Musik und fühl mich frei"

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Facts

Mag. Flosdorf, Erika Steif
Evang. WMS 904032
Karlsplatz 14
1040
Sekundarstufe 1
8. Stufe
D, GS, Soziales Lernen, ME
Schuljahr 2017 Workshops, Lehrausgänge von Oktober bis Mitte Dezember. Feste: 7. 12. Hedi Ballentyne zu Besuch und 15. 12. Abschlusspräsentation