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„Entscheidungen – Decisions; A Matter of Life and Death; 13. 3. 1938 – 26.6. 1945“ #Kinderrechte

Schüler*innen und Lehrer*innen des GRG Contiwegs erarbeiteten, verfassten und inszenierten ein Theaterstück in deutscher und englischer Sprache um die Zeit des Nationalsozialismus und den Kampf um die Menschenrechte (und insbesondere der Rechte von Kinder und Jugendlichen) begreifbar zu machen.
Die Schüler*innen der 4c führten dieses Theaterstück am Mi 12.6. im Festsaal des GRG Contiweg auf.

Idee / Ziele

Die Dramatisierung der Geschichte Vilma Neuwirths und Edith Winklers führte die Schüler*innen näher an die Zeit des Nationalsozialismus heran.
Die Schüler*innen erfuhren die Folgen des Nationalsozialismus aus der Sicht zweier junger Menschen.
Theaterspielen bot hier den vom Lehrer*innenteam gewünschten sehr unmittelbaren und direkten Zugang.
Die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Charakteren führte unsere Schüler*innen zu einer Reflexion über Verhaltensweisen in schwierigen und gefährlichen Situationen.
Sie begannen ihr eigenes Verhalten zu reflektieren und Fragen nach ihrer möglichen eigenen Positionierung zu stellen.
Unsere Schüler*innen und auch die Zuschauer*innen erkantnen, dass der Schutz von Kindern keine Selbstverständlich keit war und oft auch heute noch nicht ist.
Sie sahen, dass Frieden und Zusammenabeit nicht über Nacht kommen und vielmehr das Ergebnis von vielen mühevollen, kleinen Schritten ist.
Sie erlebten und erkannten beim Theaterspielen, dass es vor allem die kleinen und alltäglichen Entscheidungen sind, die oft bedeutsam für das Überleben oder Sterben Einzelner oder Vieler sind.
Schließlich und endlich war und ist es dem Lehrer*innenteam des GRG Contiwegs ein Anliegen, dass jeder Einzelne, jede Einzelne gefragt ist, Schwierigkeiten anzusprechen und notwendige Schritte zu setzen.

Umsetzung / Ablauf

Im Frühsommer 2018 beschlossen die Schüler*innen und ihr Lehrer*innenteam im Schuljahr 18/19 ein Theaterstück aufzuführen.
Bei einer Diskussion der Frage nach einem geeignetem Stück landeten die Schüler*innen rasch bei dem Jahresthemen des Geschichtsunterrichts und dem Gedenkjahr: der Entstehung des Nationalsozialismus, den Verbrechen gegen die Menschlichkeit und daraus folgend der Shoah und dem abschließenden internationalen Versuch, Völkermord und Kriege durch internationale Kooperationen zu verhindern.
Unsere Schüler*innen stellten viele Fragen:
Warum haben Nachbarn, Mitbürger oder auch andere Staaten nicht eingegriffen, als die jüdische Bevölkerung schikaniert, deportiert und ermordet wurde?
Wie reagierten die Menschen in dieser Ausnahmesituation?
Wie reagieren wir heute, wenn in anderen Ländern Verbrechen an Menschen verübt werden?
Gibt es hier allgemeine Verhaltensmuster, wie sich Menschen in Extremsituationen verhalten?
Wann ist jemand Täter, Opfer oder Mitläufer?

In einem weiteren Schritt wurden
• der Roman „Glockengasse 29“, Kindheitserinnerungen Vilma Neuwirths an die Zeit des 3. Reiches in Wien,
• die Unterrichtsmaterialien „Wer ist schuld am Tod von Edith Winkler? – Völkermord als gesellschaftliche Verantwortung“ (www.erinnern.at)
• und zwei Artikel der Tageszeitschrift Standard
o https://derstandard.at/2000075776312/Ein-Brief-ueber-den-Anschluss-1938-Und-dann-kam-ER
o https://derstandard.at/2000082907519/Die-ewige-Schande-unterlassener-Hilfeleistung
als Ausgangsbasis für die Entwicklung eines Theaterstücks gewählt.

Im Laufe des 1. Semesters kristallisierten sich 4 Geschichten heraus, die wir bei unserem Theaterabend erzählen wollten.
2 Geschichten, die in Wien spielen und 2 Geschichten die in Europa und Amerika spielen
2 Geschichten der Solidarität, des Muts und der Hilfe, 2 Geschichten des Wegschauens und Ignorierens

• Die Geschichte Vilma Neuwirths – über das Gelingen kleiner Hilfestellungen im Alltag,
• Das kurze Leben Edith Winklers – über das Fehlen jeglicher Hilfe
• Die Kindertransporte – über das Gelingen internationaler Hilfestellung und die Rettung von 100 000 jüdische Kindern
• Internationale Konferenzen – über das internationale Scheitern, die Frage der jüdischen Flüchtlinge zu lösen aber auch über die Gründung der UNO als Antwort auf den Schrecken des 2.WK

JF Lepage, Native Speaker am GRG Contiweg und erfahrener Drehbuchautor, übernahm die Entwicklung und das Schreiben von Szenen über die wichtigen internationale Konferenzen und erarbeitete die Szenen über Geertruida Wijsmuller-Meijer und die Organisation der Kindertransporte nach Großbritannien.

Währenddessen lasen die Schüler*innen der 4c im Rahmen der Freiarbeitsschiene „Continent – lernen entdecken“ das Buch „Glockengasse 29“ und arbeiteten mit den Materialien von „erinnern.at“ zur Geschichte von Edith Winkler.
Anschließend daran wählten die Schüler*innen 4 Szenen aus Vilma Neuwirths Buch. Diesen wurden 4 ähnliche Szenen aus Edith Winklers Leben gegenübergestellt.

Johannes Dressel recherchierte mit der Klasse zeitgleich im Geschichteunterricht und während der Freiarbeitsphasen die Fakten und Hintergründe dieser 4 Geschichten.
Im Jänner 2019 schließlich führten Johannes Dressel und Stefan Stiepanofsky die Klasse zu den real existierenden Orten Vilma Neuwirths Buch im Karmeliterviertel und dokumentierten diese.

Am 15.2. fand eine Exkursion nach Mauthausen statt.

Seit Februar 2019 arbeitete die Klasse an den im 1. Semester entstandenen Szenen. 4 Teams wurden gebildet. Jedes Team arbeitete an seiner Geschichte, Kostüme wurden recherchiert, Texte gelernt und geprobt.
Im Rahmen der KOKOKO Stunden wurden die Szenen gespielt und reflektiert. Es wurde die Frage, auf welcher Weise eine Szene über den Massenmord in Auschwitz dargestellt werden kann, diskutiert – die Schüler*innen und das Team entschieden sich für Schweigen als die beste Möglichkeit.
Am Mittwoch, 13. 6. wurde das Theaterstück mit Erfolg aufgeführt.

Learnings

Die Schüler*innen haben im Laufe dieses Projektes mehrere Dinge trainiert und gelernt.
Die Schüler*innen haben sich mit den Geschichten und Fakten dieser Zeit in einer Weise auseinandergesetzt, die weit über das Unterrichtsgeschehen hinausreicht.
Sie haben ein tiefgreifendes Verständnis für die Dynamik und Dramatik der Zeit des Anschlusses entwickelt.
Sie sind als Gruppe ein Stück mehr zusammengewachsen, als dies ein Projekt ist, das nur gelingen kann, wenn jede*r einzelne*r seine/ihre Aufgabe verlässlich wahrnimmt.
Die Schüler*innen haben Prozesse des Projektmanagements kennengelernt und mitgestaltet.
Und schließlich am wichtigsten,
die Schüler*innen haben sich mit den Geschichten und Fakten dieser Zeit aber auch der Ohnmacht von Kindern und Jugendlichen in einer Weise auseinandergesetzt, die weit über das Unterrichtsgeschehen hinausreicht.
Und als Projektleiter haben wir wieder einmal mehr erkannt und erlebt, mit welcher Intensität Schüler*innen in Rollen eintauchen, Geschichten zu ihrer eigenen machen und in einer Weise über wichtige Fragen des Lebens nachdenken, die auf andere Art kaum zu erreichen wäre.

Ergebnis / Weiterentwicklung

Theater kann der Schlüssel zu einer anderen Welt sein. Theater ist unmittelbar und haptisch, es macht Dinge begreifbar und erlebbar. Es bietet der einzelnen Schülerin, dem einzelnen Schüler die Möglichkeit, sich sowohl als Einzelperson aber auch als Teil eines großen Ganzen wahrzunehmen. Es bietet die Gelegenheit, in Rollen zu schlüpfen, Eigenschaften auszuprobieren und mit Persönlichkeiten zu spielen.
Das Lehrer*innenteam ist davon überzeugt, dass Theaterspielen auf vielen verschiedenen Ebenen ein wesentlicher Schlüssel zur Persönlichkeitsbildung junger Menschen ist. Das Team wird diesen Weg in den nächsten Jahren mit anderen Klassen weiterführen.

Teilnehmer_innen

Alle Schülerinnen und Schüler der 4c des GRG Contiwegs 1, 1220 Wien,
Alle Eltern der Schüler*innen des GRG Contiweg,
Das Kollegium des GRG Contiweg,
Fr Dir. Mag.a Monika Auböck.

Wir bedanken uns beim Milena Verlag für die Erlaubnis das Buch „Glockengasse 29“ im Rahmen eines Theaterstückes zu verwenden,
bei dem Verein „erinnern.at“ für die Materialien zu Edith Winklers Leben
und dem Marktarchiv Ybbsitz für die Erlaubnis den Brief über den Anschluss im Rahmen des Theaterstückes zu verwenden.

Das Team bedankt sich ausdrücklich bei allen Kolleg*innen des GRG Contiwegs, die durch Ermutigungen, Hinweise, Zeit, Rückmeldungen, kritische Bemerkungen, organisatorische Hilfestellungen und vieles mehr dieses Projekt überhaupt ermöglicht haben.

Und natürlich gilt der Dank den Schüler*innen der 4c, die dieses Riesenprojekt zu ihrem eigenen gemacht haben und ihren Teil verantwortungsvoll und mit Begeisterung beigetragen haben.
Danke!

Vorstellung Projektleiter_innen

Jean-Francois Lepage is a Native Speaker at Contiweg, where he has been putting on theater plays with colleagues and students for years. Prior to this, he worked as a screenwriter, writing films, TV series and theater plays, back home in Montreal, Canada. The production of the play Decisions, together with his creative partner Stefan Stiepanofsky, is their most ambitious project to date.

Stefan Stiepanofsky ist Klassenvorstand der 4c, und Englisch- und Musiklehrer am GRG Contiweg. Seit nunmehr 8 Jahren entwickelt er gemeinsam mit Jean-Francois Lepage im Rahmen des Englisch- und Musikunterrichts Theaterstücke für Schüler*innen der 5. bis 8. Schulstufe.

Johannes Dressel ist Geschichtelehrer der teilnehmenden Klasse. Er unterstützte von Anfang an die Idee, ein Theaterstück zu diesem Thema zu entwickeln und stellte seine Expertise als Geschichtelehrer zur Verfügung. Er vermittelte den Schüler*innen das notwendige Wissen, dieses Theaterstück entwickeln, verstehen und verarbeiten zu können

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Facts

Jean-Francois Lepage, Stefan Stiepanofsky
GRG WMS Contiweg
Contiweg 1
1220 Wien
Sekundarstufe 1
8. Stufe
Geschichte, Englisch, Musik, Kokoko
Schuljahr 2018/2019 Aufführung am Mi 12.6. 2019